Keine Randerscheinung
 
Am Samstag, den 06.08.2011 ging das Open Air in Niederlehme, unter dem Motto „Blues am Rand“, in die 8. Runde und stellt ein weiteres Mal unter Beweis, dass ein paar sympathisch-verrückte Bluesfans ein Festival auf die Beine stellen können, das sich nicht nur mit den etablierten Veranstaltungen in der nahegelegnen Hauptstadt messen kann, sondern mitunter gar mehr zu bieten hat.
 
„Zugegeben, mit dem Wetter haben wir Glück“, sagt MitveranstalterAndreas Hohmann, der von allen nur Homi genannt wird, kurz vor Beginn des Festivals. Doch Sorge, dass sein Open Air  wortwörtlich ins Wasser fallen könnte, hatte er trotz des Regens der vorangegangenen Tage nie. „Ich habe hier schon Tage erlebt, an denen die Leute klatschnass bei srömendem Regen vor der Bühne tanzten.“, erinnert sich Homi zufrieden grinsend und zieht dann weiter. Denn er hat wieder jemanden entdeckt, den er vom letzten Jahr kennt und dem er unbedingt noch zur Begrüßung die Hand schütteln will.
Die ersten Gäste waren schon am Freitag angereist und hatten ihre Zelte entlang des Ufers der Dahme aufgeschlagen. Auch für die hatte Homi am Abend vor dem eigentlichen Event gesorgt, mit Getränken, dem einen oder anderen Snack und einem Konzert der Joris Hering Band  im nahegelegenen Vereinsheim des örtlichen Anglerclubs.
Fast schon familiär ging es  dann auch am Samstag auf dem Festplatz zu. Man kennt sich mittlerweile oder auch nicht, jedenfalls schüttelt man immer mal wieder Hände, wird freudig begrüßt oder in Gespräche eingebunden, als sei man längst einer von denen, die bei „Blues am Rand“ schon seit Jahren dabei sind.

Mit eingebunden in die Veranstaltung, war auch der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Niederlehme, der für einen guten Zweck und zu moderaten Preisen, frisch gezapftes Bier und Grillgut verkaufte. Und natürlich sollte auch der Nachwuchs der beinahe 500 Gäste nicht zu kurz kommen, weshalb auch Eis und andere süße Leckereien nicht fehlen dürften.

 
Festplatz Niederlehme
 
Doch nicht nur für das leibliche Wohl wurde beim Open Air in Niederlehme hinreichend gesorgt, sondern auch für musikalische Abwechslung. Vier Bands waren dieses Jahr angesetzt, die stilistisch nicht unterschiedlicher hätten sein könnten. Jede Menge Abwechslung für einen Eintrittspreis von 10 Euro.
Den Auftakt machte Armaggedon und lockte das Publikum mit solidem Bluesrock zur Bühne. Bereits zwischen 1969 und 1971, dem Jahr ihrer Auflösung, war die Band mit ihrem gitarrenlastigen Rock sehr erfolgreich. Mit der Neuformation um Urgestein Manfred Galatik (Gesang, Bass) rückte der Blues wieder mehr in den Fokus der Band. Insbesondere sein Sohn Dirk Galatik überzeugte durch sein komplexes und stilsicheres Gitarrenspiel. Mit Klassikern von Jimmy Hendrix, bis Albert King, aber auch mit Eigenkompositionen, verstand es Armaggedon hervorragend, das Publikum auf den langen Bluesabend einzustimmen.
 
Armaggedon
 

Dass bei J.R. and the South Fork Bluesband nicht nur der Blues, sondern auch jede Menge Spaß und Humor im Vordergrund steht, lässt schon der

 

 

Bandname vermuten. Doch nicht nur die charmant-witzigen Ansagen von Schlagzeuger Mark Rose sorgten für gute Unterhaltung. Mit ihrem eigenwilligen Stil, in dem sich klassischer Chicago Sound mit einer guten Portion Swing und modernen Formen des Blues vereinen, brachten sie das Publikum vom ersten Song an zum Tanzen.
 
J.R. and the South Fork Bluesband
 
Obgleich es fast wie ein Stilbruch anmutete, gelang es im Anschluss Peter Crow C., mit seinem authentischen Coutry Blues, den Höhepunkt des Abends einzuleiten. Mit seinem kraftvollen Gitarrenspiel und ausdrucksstarkem Gesang, fesselte er das begeisterte Publikum fast anderthalb Stunden. Unterstützt wurde Peter Crow C. von dem Spanier Marcos Coll, einem der besten Bluesharpspieler, der im deutschsprachigen Raum zu hören ist.
 

Peter Crow C. & Marcos Coll

 

„They doin‘ that Mississippi hill country thing and they doin‘ it right!“, sagte einmal Blueslegende Seasick Steve, nachdem die X-Hill Stompers als Vorband bei einem seiner Konzerte gespielt hatten.Und auch in Niederlehme wurden die drei Jungs aus Berlin-Kreuzberg ihrem Ruf gerecht, mit zwei E-Gitarren und einem Schlagzeug geradlinigen, hypnotischen Blues auf die Bühne zu bringen, in dem  ländlicher Delta Blues mit dem elektrischen Blues der Großsstadt zu einem Sound verschmilzt, der direkt aus einem Juke Joint im tiefsten Süden der USA stammen könnte.
 
X-Hill Stompers
 
Zweifellos ein würdiger Abschluss für eine bemerkenswerte Veranstaltung. Aber noch lange nicht das Ende eines stimmungsvollen Abends. Während sich eine Vielzahl der Zuschauer, weit nach Mitternacht auf den Heimweg machte oder sich zum Schlafen in die Zelte zurückzog, versammelte sich an einem Tisch noch ein gutes Dutzend Leute zusammen mit den X-Hill Stompers zu einer kleinen Session, bei der Bierreserven und Musikinstrumente freigiebig geteilt wurden. Mitsingen war nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht...
(bbm)
Autor: Dirk Funke
 

 
...Vielen Dank an die Kameraden der Feuerwehr und den Mitgliedern des Fördervereins die zum Gelingen des Abends beitrugen.